8.8.2020
Dhalgren
21.00 h
Remise

Lukas Hämmerle

Dhalgren

In Denver aufgewachsen und in New York sozialisiert, gehörte der Bassist Chris Dahlgren zum engeren Umfeld von Anthony Braxton. Die Reihe der namhaften Jazzmusiker, mit denen er ins Studio ging und auftrat, ist so lang, dass wir sie hier gar nicht erst mit der Aufzählung anfangen wollen. Der Big Apple lag ihm zu Füßen, doch angekommen zu sein, war Dahlgren zu wenig. Er wollte noch einmal über Start gehen und zog vom Hudson an die Spree. Auch in Berlin wurde er schnell zur kreativen Szene-Triebkraft, unter anderem in den Bands Johnny La Marama und Lexicon, wie auch an der Seite von Gebhard Ullmann. Und dann kam wieder alles anders und der passionierte Improvisator und Bassist verlegte sich aufs Songschreiben, Singen und Gitarrespielen.

Unter dem Titel „Songs From A Dystopian Utopia“ legt er nun das zweite Album seiner Band Dhalgren vor. Es ist eine Suite über Dystopien und Utopien, über Abgründe und die unerforschten Winkel unserer selbst, und es ist zugleich ein Album über Berlin. Schon die erste Dhalgren-CD beschrieb die nächtliche Hauptstadt, doch blieb Dahlgren da noch an der Oberfläche. Wenn er versonnen von Corner-Späti erzählt, macht er die ganze Faszination hör- und fühlbar, die ihn als Amerikaner in Berlin umfängt. Auf dem neuen Album öffnet er nun eine Luke und steigt von der nocturnen Außenwelt in die schwarze Tag- und Nachtgleiche der Unterwelt ab. Die neuen Songs sind voller Spinnweben, Rattenfallen und uralten Kisten, die man besser nicht öffnet. Und trotzdem sind sie auch von betörender Schönheit. Berlin ist oft besungen worden,  doch hier entsteht ein Bild von den subterranen Welten unter Kreuzberg, Friedrichshain und Mitte, das man so nicht alle Tage hört.

  • Chris Dahlgren Viola da gamba, guitar, vocals
  • Evi Filippou Vibraphon, drums, backing vocals
  • Arne Braun Electric Guitar
  • Sidney Werner Upright bass
  • Alfred Vogel Drums