Alfred Vogel

Der Herr der (Bezau) Beatz

So richtig sicher war er sich dann mit 16 Jahren, als er erstmals in einer Band spielte. Eigentlich war es aber immer schon klar: Musik wird das zentrale Thema im (Berufs-)Leben von Alfred Vogel sein. Lediglich mit etwa 12 Jahren gab es eine kurze Phase des Zweifelns, da wollte er Tennisprofi werden. Wenn man jetzt unbedingt eine Analogie finden möchte, so ist es mit dem Schlagzeug immerhin jenes Instrument geworden, das dem Tennisspielen noch irgendwie am nächsten kommt. Heute betreibt Alfred, übrigens studierter Wirtschaftspädagoge, sein eigenes Label (Boomslang Records), spielt in zahlreichen Bands und ist vor allem – und deshalb lest ihr das hier gerade – Initiator und künstlerischer Leiter des Bezau Beatz. Passend zum diesjährigen zehnten Geburtstag haben wir den „Kopf des Bezau Beatz“ ein bisschen ausgefragt.


Alfred Vogel (Foto: Lukas Hämmerle)

Fangen wir ganz grundsätzlich an: Was bedeutet Musik für dein Leben?

Ich würde sagen, sie ist mein Vehikel durch dieses Leben. Vielleicht kann man es mit einem Surfbrett vergleichen, das einen über die Wellen des Lebens gleiten lässt.

Welches war der erste Musiker, der dich geprägt hat? Wer begeistert dich jetzt?

Larry Mullen von U2 oder John Bonham von Led Zeppelin, die haben mir so eine Art Initialzündung gegeben. Danach kommt natürlich noch eine ganz lange Liste mit großartigen Musikern und Musikerinnen. Momentan hat es mir grad Leo Genovese, ein argentinischer Pianist, sehr angetan. Dazu kommen aber auch viele andere wie Ornette Coleman, John Zorn, Bob Dylan, Chris Whitley sowie alle Bands, die ich schon für das Bezau Beatz gewinnen konnte oder noch gewinnen werde.

Abgesehen von anderen Musikern: Was beeinflusst deine musikalische Arbeit?


Wenn man so will hat alles, was es auf dieser Welt so gibt und so passiert, einen Einfluss auf das, was man tut. Das nähere Umfeld – wie meine Familie, meine Freunde oder meine Umgebung – hat natürlich einen stärkeren Einfluss. Dazu kommen auch noch Dinge wie Bücher, Filme oder Kunst im Allgemeinen.

Du spielst ja selber in unterschiedlichsten Formationen. Was ist dabei wichtig?

Die zwischenmenschlichen Schwingungen. Wenn es zwischen den Personen funkt und stimmt, dann ist es ein Leichtes mit der Musik. Und man hat unglaublich viel Spaß.

Nach 10 Jahren: Welchen Stellenwert hat das Bezau Beatz in deinem Leben?

Mittlerweile einen sehr hohen. Viel gute Dinge passieren rund um das Festival herum und wir bekommen auch international recht viel Aufmerksamkeit. Was mir aber genauso wichtig ist: Die Musiker bringen die Welt zu uns, sie öffnen unseren Blick nach außen. Denn vor lauter Schönheit und Ruhe, die uns umgibt, vergessen wir manchmal, das da draußen ja auch einiges los ist.

Erzähl uns von einem Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist.

Als Bombino, ein Tuareg-Nomade, mit seiner Band am Dorfplatz gespielt hat, hat es so richtig zu regnen begonnen. Die Band meinte dann, in ihrer Heimat sei es immer ein Riesenfest, wenn die Regenzeit beginnt – was dazu geführt hat, dass das Konzert zu einem einzigen Freudenreigen wurde, bei dem die Afrikaner in ihren traditionellen Umhängen und wir in unseren Regenjacken gemeinsam im Regen abgetanzt haben. Da habe ich mir wieder gedacht: Music is the healing power of the universe …